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Olli Bautz: Der Herr der Handschuhe

In der Regel sind beim Fußball alle Spieler gleich. Aber was wäre es für eine Regel, wenn es keine Ausnahme gäbe? Und so hat auch beim Fußball einer der 11 Freunde ein paar Sonderrechte: der Torwart. Er trägt ein anderes Trikot, er benutzt Handschuhe und er darf den Ball während des laufenden Spiels mit den Händen berühren – als einziger. Er hat eine Sonderstellung, keine Frage. Doch für diese braucht er ein entsprechendes Training. Und meist sind seine Trainer, es liegt wohl in der Natur der Sache, auch ganz besondere Menschen. So wie Oli Bautz, vom TuS Haltern.

Eine Frage, die wohl viele Menschen im Sport umtreibt, ist essentiell: Was macht einen guten Trainer aus? Sicher sind es neben dem fachlichen Know-How vor allem Empathie, Menschenkenntnis und die Begeisterung, anderen etwas beizubringen. Fähigkeiten, die für Oli Bautz selbstverständlich sind. Als Teil des Trainerteams der 1. Mannschaft des TuS ist er für die Ausbildung und das Training der Torhüter verantwortlich. Dabei blickt er auf viele Jahre Erfahrung als aktiver Torwart zurück, die letzten fünf davon auf der Halterner Stauseekampfbahn. Seit 2016 aber haben seine Handschuhe Pause und lassen dem Kopf die Arbeit. Denn seitdem macht Oli Bautz die TuS-Jungs fit für die gefährlichen Bälle der Gegner aus der Oberliga.

Doch Wissen und Erfahrung allein machen keinen guten Trainer aus. Vielmehr sind es die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Lust, sich weiterzuentwickeln. „Bei meiner Tätigkeit im Trainerteam kann ich unfassbar viel lernen von den erfahrenen Trainern Magnus und Thorsten – wie Fußball funktioniert, was den Trainerjob ausmacht und vieles mehr. Ja, das ganze Projekt ist für mich eine Herausforderung. Aber sie ist von mir so gewählt, weil man jeden Tag neue Aufgaben hat und immer Neues dazu lernt. Ich finde es cool, ganz viele Einblicke in verschiedene Bereiche zu bekommen“, erklärt Oli Bautz den Reiz an seinem Job. Stillstand sei nichts für ihn. Denn es gefalle ihm gut, jeden Tag gefordert zu werden und die Möglichkeit zu haben, sich weiterzuentwickeln.

Weiterentwicklung insgesamt ist ein wichtiger Bestandteil des Fußballtrainings. Gegner ändern sich, mit Liga-Aufstiegen kommen neue Anforderungen und junge Spieler werden erwachsen. Gut, wenn man da bereits früh in die richtige Ausbildung investiert. „Seit circa zwei Jahren versuchen wir, das Torwarttraining auch im Jugendbereich zu etablieren. Auch jüngere Spieler sollen beim TuS die Möglichkeit haben, sich torwartspezifisch ausbilden zu lassen“, so Oli Bautz. Hier kommt ihm zugute, dass er bereits mehrere Jahre die Jugendmannschaft seines Sohnes trainiert hat und die Bedürfnisse der jüngeren Spieler deswegen umso besser kennt. Sich auf andere einstellen, Menschlichkeit zeigen und auch Fehler zulassen, ist typisch für den Torwarttrainer und macht ihn zu einem Menschen, mit dem andere gerne zusammenarbeiten. Er selbst ist dankbar, auch hier mit so tollen Kollegen zusammenarbeiten zu können: „Lucky Backmann, Thorsten Burkhardt und Frank Frentrop leisten beim Aufbau der Torwart-Abteilung für die Jugend wirklich gute Arbeit. Sie sind diejenigen, die mit ihrer Erfahrung wöchentlich den Nachwuchs fördern.“

Dass Oli Bautz gemeinsam mit ihnen viel Zeit auf dem Gelände des TuS verbringt, steht natürlich außer Frage. Während manche Familienmitglieder sich darüber beschweren würden, findet Oli Bautz Familie das sogar ziemlich gut. Denn wenn mal wieder ein Sonntag auf dem Fußballplatz ansteht, sind alle mit dabei: „Meine Familie kommt gerne her, mein Sohn spielt hier im Verein. Wir haben hier echt Wurzeln geschlagen und das freut mich sehr. Es ist echt schön. Meine Eltern kommen mit, meine Oma ist dabei, mein Schwager, meine Schwester. Das ist ein Familienausflug. Ohne würde mir etwas fehlen.“ Außerdem, so Oli Bautz, bekäme man so viel zurück. Alleine durch die tollen Menschen, die man beim TuS kennenlerne und die sich mit viel Herzblut in den Verein einbrächten.

Gerade den Menschen, die den Verein im Hintergrund am Laufen halten, bringt Oli Bautz extrem viel Respekt entgegen. Der Platzwart, die Würstchenverkäufer – für alle hat der Torwarttrainer sehr lobende Worte über. Dass er selbst einer dieser wichtigen und vereinsprägenden Menschen ist, scheint er dabei zu vergessen. Doch irgendwie ist es auch das, was ihn so sympathisch macht. Dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt und so mit seinen Herausforderungen wächst, wie es seine Schützlinge im Tor tun. Denn im Grunde ist er einer von ihnen. Vor allem, wenn einmal Not am Mann ist: „Dann ziehe ich die Handschuhe noch mal an und spiele selbst mit.“