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Schwarz-Weißes Blut in den Adern

20 Jahre sind eine lange Zeit. Sie reicht, dass Kinder erwachsen werden, dass Angela Merkel noch weitere fünf Mal als Kanzlerin dienen könnte oder dass eine Rakete rund 17 Mal zum Mars und zurück fliegt. Bundesliga-Spieler schaffen es im Schnitt maximal drei Jahre, bei einem Verein zu bleiben. Dass ein Spieler seiner Mannschaft Jahrzehnte lang treu ist, scheint so unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass der Hamburger SV in dieser Saison noch Deutscher Meister wird. Wer sich allerdings beim TuS Haltern umschaut, findet so einige treue Seelen. Tim Abendroth ist eine davon – Fußballer seit 27 Jahren, davon alleine 20 Jahre beim TuS Haltern.

Als Spielertrainer der 2. Mannschaft steht Tim Abendroth in enger Verbindung zu seinem Verein. Denn eine Mannschaft zu trainieren und gleichzeitig auch selbst zu spielen, heißt, viel Verantwortung zu tragen. Doch der wird der Halterner in jedem Fall gerecht. Auch, weil er sich und sein Talent realistisch einschätzen kann. „Früher in der Jugend habe ich lange im Sturm gespielt. Mit der Zeit habe ich auch häufiger im defensiven Mittelfeld gespielt. Da ich nicht der Schnellste bin und meine Stärken in der Spielübersicht und im Spiel mit dem Ball liegen, war das sicherlich die richtige Entscheidung. Im Mittelfeld hab ich häufiger den Ball und die Kontrolle über unser Spiel, dafür bin ich in der offensiveren Rolle torgefährlicher,“ erklärt er.

Maßgeblich beteiligt an diesem Werdegang war auch sein Vater Thomas, selbst ein TuS-Urgestein, der ihn in der Jugend und in den Senioren trainiert hat. Kein Wunder also, dass Tim Abendroth das Trainerdasein auch ein wenig in die Wiege gelegt ist. Konkret, direkt und trotzdem emotional und leidenschaftlich. So lässt sich die Einstellung des TuSlers beschreiben und so ist auch seine Arbeit als Trainer. Denn hier muss er auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Spielers eingehen und trotzdem die Mannschaft als Ganzes im Blick behalten. „Die Herausforderung liegt darin, in jedem Training, in jedem Spiel den eigenen Ansprüchen und denen der Jungs immer gerecht zu werden,“ so Tim Abendroth.

Bei dieser Aufgabe helfen ihm auch die Erfahrungen, die er während der vergangenen zwei Jahrzehnte beim TuS sammeln konnte, hat er doch etliche Stationen innerhalb des Vereins durchlaufen: „Ich habe mit vier Jahren mein erstes Spiel im TuS-Trikot absolviert und, soweit ich weiß, gegen SV Altendorf gnadenlos hoch verloren,“ erinnert sich der heute 32-Jährige. Bis auf zwei Ausflüge in der Jugend zur Spvg. Marl und in den Senioren zur TSG Dülmen hat Tim Abendroth sein Fußballer-Leben in der Stausee-Kampfbahn verbracht – also fast 20 Jahre aktiv für den TuS. „Eine verdammt lange Zeit. Da muss man den Fußball schon ein wenig lieben“, sagt er. Für ihn war es aber ein logischer

Werdegang, denn viel mehr sei als Spieler einfach nicht drin gewesen. Dabei habe er auch viele einzigartige Dinge erlebt, wie beispielsweise den Aufstieg 2012 in die Westfalenliga oder das Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 im gleichen Jahr. Nie vergessen werde er natürlich den Aufstieg mit seinem Team in die Bezirksliga vor zwei Jahren.

Es sind Erfahrungen, die ein Mensch nicht vergisst. Und es sind Dinge, von denen auch andere Menschen profitieren können. Zum Beispiel der sportliche Nachwuchs, dem er folgende Botschaft mit auf den Weg geben würde: „Leidenschaft, Ehrgeiz und Spaß. Genießt den Fußball.“ Zum Saisonende wird Tim Abendroth nun kürzer treten, aus beruflichen und familiären Gründen. Für ihn eine riesige Umstellung. Ein kompletter Abschied ist es zwar nicht – „so ganz lassen, kann man es ja dann doch nicht“ – aber es ist ein Abschied, der ihm schwer fallen wird. Denn 20 Jahre Schwarz-Weiß wischt man nicht mal eben zur Seite.