Allgemein Fussball

Emotionales Gemeinschaftsgefühl

Von Horst Lehr

Die integrative Fußballmannschaft des TuS Haltern hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Maßgeblichen Anteil daran hat der Halterner Sozialpädagoge Klaus Tykwer, der als Mitinitiator und Trainer die Mannschaft auf den Weg brachte.

In dieser Kooperation zwischen der Diakonie Recklinghausen und dem TuS Haltern ist Inklusion nicht nur ein Begriff, sondern er wird mit Leben gefüllt.

Tykwer, der selbst in der Jugend Fußball spielte, kam 2006 zum TuS, als sein Sohn im Verein als Fußballer begann. Als Vater stand er am Spielfeldrand und kam so in Kontakt mit Abteilungsleiter Ronald Schulz sowie Trainer und Platzwart Martin Stock. „Braucht ihr noch einen Hilfstrainer?“, fragte er. Und Stock antwortete: „Klar, stell schon mal die Hütchen auf.“

Tykwer erlebte so im Training und bei den Spielen ein emotionales Gemeinschaftsgefühl. „Fußball in dieser Form ist auch ein Verbindungselement für die Familien“, sagt er.

So meldete er sich beim Kreis Recklinghausen für die Trainerlizenz an. Nach Abschluss der Prüfung hörte er auf der Arbeit, dass die Fußballmannschaft der Diakonie Recklinghausen einen neuen Trainer und einen neuen geeigneten Spielplatz suchte.

Tykwer erkannte darin die Möglichkeit einer sinnvollen Inklusion und nahm Kontakt zu Ronald Schulz auf. Der hatte damals den Mut und sagte: „Mach es.“ Diese Entscheidung war die Grundlage für Tykwers Plan einer integrativen Fußball-Mannschaft. Nach den notwendigen Vorbereitungsarbeiten konnte Tykwer im Herbst 2009 erstmalig seine Mannschaft auf dem neuen Kunstrasenplatz zum Training begrüßen. Für die Spieler war alles organisiert: Sie wurden mit dem Bully gebracht und auf dem Spielfeld lagen für die 15 Spieler zum Start 30 Bälle bereit. Wie jeder Trainer stellte Tykwer sich die grundlegenden Fragen: „Wie baue ich das Team auf und welche Trainingseinheiten passen am besten zu den Spielern?“ Dabei musste er berücksichtigen, dass er Menschen mit Behinderungen trainierte.

In Absprache mit den entsprechenden Fachtherapeuten versprach das Passspiel nach einem spielerischen Warmmachen für den Anfang die besten Erfolgsaussichten. Schnell zeigten sich unerwartete motorische Verbesserungen bei der Mannschaft.

Kein Auge trocken

Im Spielbetrieb ergab sich eine Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der Werkstätten und in der Liga des Behindertensportverbands BSNW. Tykwer hatte zwar ein paar Sorgen, trat aber trotzdem mit der Mannschaft 2010 erstmalig in der dritten Liga des BSNW an.

Bald zeigten sich die Vorteile des gut strukturierten Trainings: Binnen zwei Jahren stieg das Team in die erste Liga auf und erkämpfte sich 2013 auch die Landesmeisterkrone. 2015 wurde das Team Deutscher Meister der Werkstätten. „Der erste große Höhepunkt für die Spieler war 2011 auf dem eigenen Platz, als alle mit der TuS-Teambekleidung ausgestattet wurden. Da blieb kein Auge trocken und die Spieler haben sich unglaublich gefreut“, erzählt der Trainer.

Als dann 2014 auch das gleiche Trikot wie das der ersten Mannschaft ausgegeben wurde, „wollten einige das gar nicht mehr ausziehen und erzähltem jedem voller Stolz, ich bin Spieler beim TuS“, sagt Tykwer.

Ein weiterer besonderer Moment folgte 2005 beim Benefizspiel für „Viva con Aqua“. Der Vorsitzende Christoph Metzelder wechselte für die letzten zehn Minuten alle Spieler der integrativen Mannschaft ein. Vor rund 2000 Zuschauern erzielte Hassan Paul auch noch das Siegtor. „Das war wie im Film“, sagt Tykwer. „In diesem Moment wusste ich, jetzt sind wir im Verein angekommen.“

2012 erhielt die Mannschaft mit Trainer Martin Stock einen weiteren positiven Impuls. Er gestaltete das Training noch professioneller. Der Spielaufbau wurde um weitere taktische Variationen ergänzt und das Passspiel umgestellt, um mit wenigen Stationen temporeiche Angriffe vor das gegnerische Tor zu bringen.

Tykwer trat zu diesem Zeitpunkt als Trainer gerne zurück ins zweite Glied und übernahm mehr organisatorische Aufgaben. Er kümmert sich in Abstimmung mit der Diakonie im Ligabetrieb um die Spielorganisation und den Fahrdienst und ist Mitglied der Koordinationsgruppe Integrativer Fußball des FLVW Westfalen .

Positive Aufnahme

Seit 2014 ist die Mannschaft als Gründungsmitglied Teil der neuen Inklusionsliga des DFB. 2016 wurde das Team als „Besonderer Inklusionspartner“ des Vereins ausgezeichnet. Vergleichbares gibt es in Deutschland nur noch bei Werder Bremen und Arminia Bielefeld. Mit Nino Kreuther und Mike Moll sind 2018 auch zwei Spieler in die Kaderauswahl der Nationalmannschaft aufgenommen worden. „Ohne die positive Aufnahme im Verein wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt Tykwer.

Quelle: Halterner Zeitung

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