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„Metze“ im Interview mit der Halterner Zeitung

Seit 18 Monaten beschäftigt sich der TuS Haltern mit dem Neubauprojekt der Stauseekampfbahn. „Wir ringen derzeit weiter darum, eine öffentliche Sportstätte privat umzubauen“, erklärt Christoph Metzelder (37), Vorsitzender des TuS Haltern. Sollte das Projekt realisiert werden, wird „es deutlich kleiner ausfallen, als an der ein oder anderen Stelle kommuniziert“, erklärt er im Interview.

Frage: Wie groß ist der Traum von einem Regionalliga-Spiel im eigenen Stadion für den TuS Haltern?

Antwort: Das ist vielleicht genau der richtige Moment, um etwas klarzustellen: Es ist nicht mein persönlicher Traum, Regionalligafußball beim TuS Haltern zu sehen. Es war immer der Ansatz, wohnortnah ambitionierten Amateurfußball anzubieten – sowohl im Senioren- als auch im Juniorenfußball. Das Projekt Stausee-Arena, über das wir uns seit 18 Monaten unterhalten, ist am Ende eine Folge der Ergebnisse, die die Mannschaften des TuS abliefern. Der Sport treibt uns gewissermaßen vor sich her. Deswegen befassen wir uns damit, wie wir die Infrastruktur hier so gestalten können, dass wir am Ende nachhaltig leistungsorientierten Amateurfußball finanzieren können.

Frage: Wie ist der derzeitige Stand der Dinge beim Thema Stadionneubau?

Antwort: Die ambitionierte Planung sah vor, nach der vergangenen Saison im Sommer abzureißen und zu bauen. Dieser Weg hat unheimlich viel Zeit und Ressourcen gekostet. Wir haben viel gelernt, einige positive Dinge, aber auch Rückschläge erlebt. Stand jetzt ist es so, dass wir weiterhin darum ringen, eine öffentliche Sportstätte privat umzubauen. Es gibt Anzeichen, dass wir es hinbekommen.

Frage: Sie sind seit 2014 der Vorsitzende des TuS Haltern. Ist der Stadionneubau Ihr bislang ehrgeizigstes Projekt?

Antwort: Wir haben das nie auf dem Schirm gehabt, als wir noch in der Landes- oder Westfalenliga unterwegs waren. Aber wenn wir uns hier mal in der näheren Umgebung umschauen, dann gibt es viele unterklassige Vereine, die eine Tribüne und überdachte Plätze haben. Trotzdem war es lange Zeit möglich, in der Stauseekampfbahn hochklassigen Amateurfußball anbieten zu können. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir an unsere Grenze stoßen. Da geht es mit einem abgetrennten Gästebereich los, den wir hier nicht haben, keine Überdachung, keine Sitzplätze, und für die Medienvertreter keine geeigneten Plätze. Vor dem Hintergrund, dass die Stadt Haltern Haushaltssicherungskommune ist, resultierte die Idee, daraus ein Investorenmodell zu machen.

Frage: An welchen Stellen hakt es derzeit in den Planungen?

Antwort: Es hakt an der Finanzierung. An Investoren, dem benötigten Fremdkapital und Vermarktungserlösen, die Teil eines schlüssigen Finanzierungskonzeptes sind. Alles bedingt einander. Wir müssen jetzt über eine gewisse Hürde springen und den Startschuss geben. Dann glaube ich, dass wir sowohl auf Mieter- als auch auf Vermarktungsseite Erlöse erzielen können. Es gibt hier keinen Großinvestor. Am Ende muss ein solches Projekt vom Verein tragbar sein, unabhängig von einzelnen Personen.

Frage: Wie hat sich der Umfang des Projekts verändert?

Antwort: Das Projekt ist immer weiter gewachsen, da wir uns auf Mieterbedürfnisse einlassen mussten. Durch Absagen von Mietinteressenten müssen wir das Projekt nun anpassen. Wir wollen den Standort Haltern auch nicht überfordern. Insgesamt wird das Projekt, sollte es zustande kommen, deutlich kleiner werden, als an der einen oder anderen Stelle schon kommuniziert war oder durchgesickert ist.

Frage: Inwiefern Kleiner?

Antwort: Sowohl in der Dimensionierung der Haupttribüne, als auch was die Gesamtzuschauerkapazität angeht. Viele haben ein Worst-Case-Szenario vor Augen: RW Essen kommt Ende August zu einem Regionalliga-Heimspiel, gleichzeitig wollen viele Menschen zum Strand- oder Freibad und der Verkehr kollabiert. Auch das muss noch mal deutlich werden: Die sportliche Entwicklung des TuS Haltern im Seniorenbereich ist im Grenzbereich angekommen. Das heißt: Oberliga, vielleicht auch mal Regionalliga, ist das, was wir leisten können und wollen. Ein Szenario, in dem hier regelmäßig 5000 Zuschauern kommen, sehe ich nicht.

Frage: Wie genau hat der TuS Haltern vor, das Parkplatz-Dilemma zu lösen, falls doch mal mehr Leute kommen?

Antwort: Am Ende reden wir über einige wenige Belastungsspitzen pro Jahr. Dazu sind wir im engen Austausch mit der Stadt, um sämtliche Flächen von den Wanderparkplätzen bis zu möglichen Park-And-Ride-Parkplätzen zu nutzen. Ein schlüssiges Sicherheits- und Verkehrsgutachten wird im Rahmen des Genehmigungsverfahrens notwendig sein.

Frage: Wie sieht es mit der Kita aus?

Antwort: Wir arbeiten weiterhin mit der Stadt an einer Lösung, weil alle Beteiligten die Notwendigkeit sehen und ich die Integration einer flexiblen Kinderbetreuung auf dem Gelände eines Sportvereins für einen tollen Ansatz halte. Aktuell versuchen wir, daraus ein Teilprojekt zu machen und von der Realisierung und der Zeitschiene des Gesamtprojektes abzukoppeln. Somit könnte eine Kita gemeinsam mit der Stadt und Partnern vielleicht schon früher umgesetzt werden.

Frage: Wenn das Stadion nicht gebaut werden kann: Inwiefern würde das den TuS Haltern in seinen sportlichen Ambitionen beeinflussen?

Antwort: Dann wäre ein Regionalliga-Aufstieg des TuS in Haltern kurzfristig nicht möglich. Der Verband würde uns dann keine Lizenz erteilen. Für die weitere Entwicklung des TuS würde das bedeuten, dass wir darauf warten müssten, dass öffentliche Fördermittel für Sportstätten zugänglich gemacht werden. Wir haben das 2009 beim Bau des Kunstrasenplatzes erlebt, als wir mit privaten Mitteln gebaut haben, bevor kurz danach Mittel aus dem Konjunkturpaket II frei wurden, die massiv in Sportstätten geflossen sind.

Frage: Was passiert mit dem TuS, sollte es diese Saison schon für den Aufstieg reichen?

Antwort: Lizenz und Stadionneubau bedingen einander. Sollte die Mannschaft auch Anfang 2019 sportlich so dastehen, werden wir uns mit denselben Themen befassen wie in der vergangenen Saison und alle Alternativstandorte durchspielen.

Frage: Sollte es nicht möglich sein, das Projekt kurzfristig umzusetzen und der TuS steigt auf, gibt es die Überlegung, die jetzige Version der Stauseekampfbahn auszubauen?

Antwort: Am Ende geht es darum, wer so etwas bezahlen würde. Wir kämpfen aber weiterhin darum, den Neubau proaktiv anzugehen. Bis zum Jahresende wollen wir dazu eine Entscheidung treffen.

Frage: Am 26. Oktober ist die nächste Mitgliederversammlung des TuS Haltern. Stellen Sie sich zur Wiederwahl als Vorsitzender?

Antwort: Ich werde mich zur Wiederwahl stellen. Auch meine Vorstandskollegen werden das nach meinen Informationen tun. Unsere Arbeit war in den letzten Jahren vor allem durch die finanzielle Konsolidierung, den Umgang mit dem Stärkungspakt und die Vitalisierung des Vereinslebens geprägt.

Frage: Können Sie den Mitgliedern schon neue Informationen auf der Mitgliederversammlung zum Thema Stadionneubau geben?

Antwort: Wir werden die Mitglieder dort auch über das Stadionprojekt informieren. Sollte das Neubauprojekt umsetzbar sein, würden wir dazu aber noch einmal gesondert zu einer Versammlung einladen und das Votum der Mitglieder einholen.

Frage: Sie haben oft betont, dass Sie die Spiele des TuS in erster Linie als Fan verfolgen. Gibt es Pläne, sich irgendwann auf das Fan-Dasein zurückzuziehen?

Antwort: Ich habe immer gesagt, dass meine berufliche Entwicklung irgendwann wieder in den Profifußball gehen wird. Ab dem Zeitpunkt ist all das, was ich derzeit mache, in der kompletten Breite nicht mehr möglich. Bis dahin stelle ich aber gerne meine Zeit, meine Ideen und meine Energie zur Verfügung, weil mir das unheimlich viel Spaß macht. Meine generelle Unterstützung des TuS Haltern ist davon aber unabhängig.

Quelle: Halterner Zeitung

Foto: Daniel Winkelkotte

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